Vortragsveranstaltung: Ein schmaler Grat – Widerstand im KZ Buchenwald

Am Sonntag, dem 22. November 2015 referiert Bernd Langer im Litfass Lingen, Clubstraße 5, zu „Ein schmaler Grat – Widerstand im KZ Buchenwald“. Der Vortrag beginnt um 19:00 Uhr und ist Teil des Gedenkens 70 Jahre nach der Kapitulation der Nationalsozialisten und 77 Jahre nach den Novemberpogromen.

Vortragsankündigung:

Haben wir alles richtig gemacht?“ ist der Titel eines Interviews mit Paul Grünewald, der mit Karl Peix und Walter Krämer – beide wurden 1941 ermordet – eine Widerstandsgruppe im Krankenrevier des KZ Buchenwald bildete. Insbesondere Krämer war in der DDR als „Arzt von Buchenwald“ populär, im Roman „Nackt unter Wölfen“ setzte ihm Bruno Apitz ein literarisches Denkmal.

Doch die einfache Schwarz-Weiß-Beschreibung von antifaschistischen Helden unterschlägt die komplizierten Verhältnisse in den Konzentrationslagern. Während nach Krämer Schulen, Straßen usw. benannt wurden, fand Karl Peix später kaum noch Erwähnung. Dabei war er zunächst von zentraler Bedeutung für den Widerstand in Buchenwald, verstrickte sich aber zunehmend in Machenschaften mit der SS, Vorwürfe gehen bis hin zu Mord.Im Gespräch berichtet Grünewald mit seltener Offenheit über das Dilemma von notwendiger Zusammenarbeit mit SS-Schergen, Korruption, Geldbeschaffung und politischem Selbstverständnis.

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»Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt«

– Szenische Lesung mit Robert Stadlober und Thomas Ebermann

Robert Stadlober und Thomas Ebermann spielen und lesen Mihail Sebastians Tagebücher 1935-44

Lesung_Plakat

Die erst vor wenigen Jahren veröffentlichten Tagebücher von Mihail Sebastian erhielten begeisterte Kritiken u.a. von Philip Roth, Arthur Miller und Claude Lanzmann. Robert Stadlober, Thomas Ebermann und Berthold Brunner haben eine szenische Lesung aus den Tagebüchern erstellt. Sebastian schildert eindrucksvoll die politischen Verhältnisse der 30er und 40er Jahre in Rumänien. Als Literaturkritiker, Autor und Übersetzer in der KünstlerInnenszene von Bukarest erlebt er die Zuspitzung der antisemitischen Propaganda und den Terror der faschistischen »Eisernen Garde«. Einige seiner engen FreundInnen werden zu überzeugten AnhängerInnen des Faschismus.

Mihail Sebastian beschreibt die sich steigernden antisemitischen Maßnahmen der Regierung des Marschalls Antonescu minutiös, von der Erhöhung der Mieten für Jüdinnen und Juden und der Beschlagnahme seiner geliebten Ski und des Radiogeräts, bis zu den Razzien und Deportationen. Die Tagebücher bieten einen Blick in den Alltag aus Diskriminierung und Furcht, aber auch in Momente der Hoffnung und literarischer Leidenschaft. »Voller Entsetzen aber nicht verzweifelt« weiterlesen

DIKA e.V. Unterstützt das interkulturelle, multimediale Erinnerungsprojekt REMEMBERING!

DIKA e.V. freut sich, dass  interkulturelle, multimediale Erinnerungsprojekt REMEBERING zu unterstützten. Bei dem Projekt erarbeiten 18 junge Menschen aus Deutschland und Israel Erinnerungen an die Shoha und setzten sich mit der unterschiedlichen Erinnerungskultur ihrer Länder auseinander:

Wie erinnern wir heute, 70 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs, an die deutschen Verbrechen? Welche Rolle spielt die Shoah – der Mord an den Juden Europas – für die gesellschaftliche Diskussion und für die politische Kultur in Deutschland und Israel? Wie steht es um die vielzitierte Verantwortung, um die Lehren aus der Geschichte? Und wie wirken die Folgen der Shoah heute in Israel fort?

REMEMBERING sucht Antworten auf diese Fragen. 18 jungen Menschen aus Israel und Deutschland schildern uns, welche Bedeutung die Shoa heute für sie hat, recherchieren die Geschichte ihre Groß- oder Urgroßeltern und verarbeiten ihre Erkenntnisse in Kurzfilmen, Texten und Fotos.

REMEMBERING will junge Menschen ermutigen, sich kreativ mit ihrer Geschichte sowie Täter- und Opferperspektiven auseinanderzusetzen. Wir vermitteln die dafür nötige Medienkompetenz: Alle Teilnehmer_innen werden in Filmdramaturgie, multimedialen Erzähltechniken, Schnitt und Grundlagen der Kameraarbeit geschult. Die Geschichte des Holocaust, die jeweils nationalen Erzählungen – im Land der Täter und im Land, das den Überlebenden neue Heimat wurde – und die Reflektion der eigenen Geschichte und der Verortung in ihr nehmen breiten Raum ein.

REMEMBERING nimmt dabei immer die Unterschiedlichkeit der Erinnerungskultur in Deutschland und Israel ernst – und doch entsteht auf der Webseite eine aktive Auseinandersetzung, ein Dialog, ein Diskurs, der Erinnerung mit Leben füllt. Denn die Geschichte und die Erinnerung an sie verbindet Enkel und Urenkel der Opfer und Täter.

REMEMBERING will Verbindung schaffen – zwischen jungen Menschen aus Israel und Deutschland, zwischen religiösen Menschen und säkularen, Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.

REMEMBERING erklärt Zusammenhänge: Ein Team aus erfahrenen Journalisten und Fach-Historikern verdeutlicht, problematisiert, vertieft und stößt Diskussionen an. Namhafte Autoren liefern Gastbeiträge und Kommentare.

REMEMBERING ist der Versuch, die Verantwortung, die sich aus dem Holocaust ergibt und das Bewusstsein für seine gesellschaftlichen Folgen über den Tod von Zeitzeugen hinaus zu bewahren.

Viel mehr auf der Projektseite:
http://www.remembering.today/

 

Fußball und Fankultur in Israel – Geschichte und Gegenwart

Als im Juni 2013 die U21-Europameisterschaft in Israel ausgetragen wurde, war dies der größte sportpolitische Erfolg der Israel Football Association (IFA) überhaupt. Denn nach der Gründung des Verbandes 1948 war die Nationalmannschaft des Landes aufgrund von Boykotten durch arabische Staaten jahrzehntelang zu einer regelrechten Odyssee gezwungen; ihre Qualifikationsspiele musste sie teilweise sogar in Ozeanien austragen. Erst Anfang der 1990er Jahre wurde die IFA – und mit ihr die israelischen Vereine – endlich als Vollmitglied in den europäischen Fußballverband UEFA aufgenommen.

Wirklich zur Ruhe kam der israelische Fußball dennoch nicht: Immer wieder gibt es im Rahmen von Spielen israelischer Mannschaften massive Störungen, sei es in Form von Boykottforderungen und Demonstrationen antiisraelischer Aktivisten, sei es in Form von gewalttätigen antisemitischen Ausschreitungen. Und erst kürzlich zog der palästinensische Fußballverband in letzter Minute seinen Antrag an den FIFA-Kongress zurück, Israel aus dem Weltfußballverband auszuschließen.

Alex Feuerherdt, freier Publizist (u.a. für KONKRET, die Jungle World und die Jüdische Allgemeine) und ehemaliger Schiedsrichter aus Köln, wird die Geschichte und Gegenwart des israelischen Fußballs skizzieren und analysieren – und dabei auch einen Blick auf die nicht unerheblichen Differenzen, Rivalitäten und Auseinandersetzungen werfen, die es zwischen den israelischen Klubs und den Fanszenen gibt. Darüber hinaus wird er sich auch rein sportlichen Fragen widmen: Welcher israelische Verein gewann Titel in gleich drei verschiedenen Ländern? Warum ist der israelische WM-Rekordteilnehmer ein Unparteiischer und kein Spieler? Und wie kam es dazu, dass in Israel Fans einen Klub gründeten und ihn bis in die zweithöchste Liga des Landes führten?

Wann?
Dienstag, 30. Juni, um 19:30Uhr

Wo?
Laidak, Boddinstraße 42, 12053 Berlin

Dies ist eine Veranstaltung des LAK Shalom Berlin im Rahmen der Mobilisierung gegen den Al Quds Marsch & der Veranstaltungsreihe Antisemitismus und Fußball des BAK Shalom.

Infos zur Anti Al Quds Mobi: https://www.facebook.com/keinalqudstagberlin
Infos zur Veranstaltungsreihe: http://bak-shalom.de/?s=antisemitismus+und+fussball

>>> Facebook-Event

Vortrag mit Nina Rabuza am 21.04. in Berlin: „Ein Bruch eingewebt in die Textur unserer nationalen Identität“ – die deutsche Vereinnahmung der Erinnerung an Auschwitz

70 Jahre nach dem militärischen Sieg über den Nationalsozialismus sind sich die Deutschen vom Bundespräsidenten zum Kreisvorsitzenden der LINKEN, vom CSU-Generalsekretär zum linksradikalen Politikaktivist, vom Polizeigruppenführer zum friedensbewegten Landpfarrer einig: man müsse alles tun, dass Auschwitz nie wieder geschehe. „Nie wieder“, die Forderung der Überlebenden der Konzentrationslager, die wie keine andere ihr Recht hat, wurde zu einer gedenkpolitischen Floskel. Zusammen mit der Rede von der „deutschen Verantwortung“ dient sie zur Bestätigung einer nationalen Identität nach 1990. Das Erinnern an die deutschen Massenmorde wurde dabei längst zur deutschen Tugend erklärt. Mit Zitaten Theodor Adornos auf den Lippen wird behauptet, dass man es ernst meine mit Ausschwitz als historischen Bruch. Im nächsten Atemzug beglückwünscht man sich zum geläuterten deutschen Nationalbewusstsein. Dass es geradezu absurd ist, die deutsche „Vergangenheitsbewältigung“ mit Adorno zur nationalen Erfolgsstory umzudichten, wird dabei ignoriert. Der Vortrag diskutiert, warum sich die deutsche Versöhnungspolitik mit der Kritischen Theorie nicht machen lässt. Er versucht, Perspektiven auf die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen zu entwickeln, die sich gegen die Integration in die deutsche Vergangenheitsbewältigung stellen.

Wann?
21. April, 20 Uhr

Wo?
ZGK/Schar­ni38, Scharn­we­ber­str. 38 (Nähe U-Bahn-Sta­ti­on Sa­ma­ri­ter­stra­ße), 10247 Berlin

Dies ist ein Vortrag im Rahmen der Kampagne 70 Years – The Allied Triumph Over Germany. Die Veranstaltung wurde organisiert durch den Landesarbeitskreis (LAK) Shalom der Linksjugend [‘solid] Berlin. Die Veranstaltung wird finanziell unterstützt durch DIKA e.V.

»Waren wir nicht alle irgendwie Opfer«?

Osnabrück Banner

Am 8. Mai 2015 jährt sich zum 70. Mal die bedingungslose Kapitulation des Nationalsozialismus. Seit vielen Jahren greift eine »Selbstversöhnungsrhetorik« in Deutschland um sich.
Viele Deutsche sehen sich als Opfer, sowohl der Nazis wie der Alliierten oder »der Moderne«, die an Auschwitz Schuld sei.
Diese »Heideggerisierung« setzte schon unmittelbar nach 1945 ein. Doch ein Blick in die aktuelle internationale Forschung zeigt noch viel mehr: Wie wird heute an die Shoah erinnert und in welcher Beziehung steht eine Universalisierung des Holocaust, durch die es nur noch Opfer geben soll, zum Antisemitismus?
Welche Rolle spielen der Bundespräsident und die Gleichsetzung von »Rot« und »Braun«?
Was bedeutet es für die Erinnerung an die beispielslosen Verbrechen der Deutschen und ihrer Verbündeten, wenn noch im Jahr 2015 ehemalige SS-Mitglieder in einem EU-Land wie Lettland aufmarschieren können?
Wie wird in USA erinnert, gibt es dort ein »Ende des Holocausts«?
Welche Rolle spielen in der Bundesrepublik Fußball und die schwarzrotgoldenen Fahnenmeere vom »Sommermärchen« 2006 bis hin zu Pegida für die Erinnerung an die NS-Zeit und die Shoah?

Vortrag von Dr. phil. Clemens Heni;

Montag, 20. April um 19:00  Uhr
Haus der Jugend Osnabrück
Große Gildewart 6-9, 49074 Osnabrück

Organisiert von Linksjugend [‘solid] Osnabrück
(http://solidos.blogsport.de/)

In Kooperation mit dem LAK Shalom Niedersachsen
(http://lakshalomnds.blogsport.eu/)

und der DIKA e.V.
https://www.facebook.com/pages/DIKA-e-V/160616120665248
(http://cms.dika-ev.de/)

Clemens Heni ist Politikwissenschaftler, Publizist und Verleger (Edition Critic) sowie Research Fellow des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism an der Hebräischen Universität Jerusalem und Direktor des Berlin International Center for the Study of Antisemitism (BICSA).
2008/09 war er Post-Doc an der Yale University in USA.
Er promovierte 2006 über die »Salonfähigkeit der Neuen Rechten« an der Universität Innsbruck und ist Autor von fünf Büchern sowie dutzenden Artikeln zu Themenkomplex des Vortrags in Deutsch und Englisch.
Zu Holocaustgedenken und Nationalsozialismus sprach er in den letzten Jahren u.a. in Plsen (Tschechische Republik), Riga (Lettland), Kiew (Ukraine), Berlin (Jüdische Volkshochschule), Jerusalem (World Jewish Congress), und in Edison (Synagoge, Congregation Beth El in New Jersey, USA).

Aktionswochen gegen Antisemitismus in Freiburg

PlakatIm Gedenken an die Reichspogromnacht finden im November die von der Amadeu Antonio Stiftung veranstalteten Bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus statt. DIKA e.V. unterstützt eine Veranstaltungsreihe  der Anarchistische Gruppe Freiburg, sowie einen Vortrag  des AK Ideologiekritik (Die Marxsche Fetischkritik & die Kritik des Antisemitismus) an der Universität in Freiburg.
Die Veranstaltungsreihe der Anarchistische Gruppe Freiburg, findet  im Zeitraum vom 10. November bis zum 19. November mit einem Workshop und drei  organisierten Vorträgen statt und gehört zu dem umfangreichen Programm der Bundesweiten Aktionswochen. Den Flyer für die Aktionswochen in Freiburg findet ihr hier.

Link:  Anarchistische Gruppe Freiburg und Veranstaltungskalender

Programm der Veranstaltungsreihe

Workshop: Einführung in die Kritik des Antisemitismus

Referent: Lothar Galow-Bergemann
 Datum & Ort: 12. November, 20 Uhr, Universität Freiburg Raum 1221

Im Zuge des wiederaufflammenden Konfliktes zwischen der radikal-islamistischen Hamas und dem Staat Israel kam es in ganz Europa zu einer Welle offen antisemitischer Manifestationen, Angriffen auf Synagogen, jüdische Einrichtungen und als Juden ausgemachte Menschen. Antisemitismus ist in Deutschland jedoch nicht nur eine Einstellung, die von Islamisten oder Neo-Nazis geteilt wird. So stimmten 2011 bei einer Umfrage einer Forschergruppe aus Bielefeld rund 13% der Befragten der Aussage „Juden haben in Deutschland zu viel Einfluss“ zu. Ein latenter Antisemitismus lässt sich bei etwa 20% der deutschen Bevölkerung feststellen. Auch Äußerungen deutscher Publizisten und Zeitungen (wie der Süddeutschen Zeitung) werden regelmäßig als antisemitisch eingestuft.
Offen antisemitische Parolen wie „Juden ins Gas“ sind einfach als solche zu erkennen. Doch warum sind auch Sprüche wie „Kindermörder Israel“ oder „Apartheidstaat Israel“ als antisemitisch zu klassifizieren?
In dem Workshop wollen wir uns fragen: Was kennzeichnet den (modernen) Antisemitismus? Ist Antisemitismus nur eine Form von Rassismus oder etwas qualitativ Anderes? Welche theoretischen Erklärungsversuche gibt es zum Antisemitismus? Und schlussendlich: Was können wir gegen Antisemitismus tun?

Vortrag und Diskussion: Was ist israelbezogener Antisemitismus? – Betrachtungen nach den judenfeindlichen Hasskundgebungen des letzten Sommers

Referent: Lothar Galow-Bergemann
 Datum & Ort: 12. November, 20 Uhr, Universität Freiburg Raum 1221

Wie wenig Antizionismus von Antisemitismus trennt, wurde selten so deutlich wie während der antiisraelischen Massenaufmärsche dieses Sommers, die in Sprechchören „Tod den Juden!“ forderten. Die selbstgerechte deutsche Mehrheitsgesellschaft wusste sofort, dass der Antisemitismus lediglich durch „die Türken“ bzw. „den Islam“ importiert ist. Schließlich, davon bleibt sie felsenfest überzeugt, hat sie aus der Shoah mehr gelernt als die Juden, weshalb ihre mit Hingabe gepflegte „Israelkritik“ nie und nimmer irgend etwas mit Antisemitismus zu tun haben kann. Diese Gewissheit gehört auch zu den Basics einer pseudokritischen Linken, die viel mehr Mainstream ist, als sie glaubt.
Doch wer eben noch in „internationalistischer Solidarität“ zusammen mit offenen Hamas-Fans gegen Israel demonstriert hatte, bekam nun ein faustdickes Problem. Wie um alles in der Welt sollte man sich von den Propagandisten des Judenmords abgrenzen? Heraus kamen Verschwörungsphantasien und skurrile Statements, die weniger überzeugend ausfielen denn je. In welcher Situation befinden sich Juden und der jüdische Staat und warum befördert den Antisemitismus, wer „gegen den Zionismus“ demonstriert?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. für konkret, Jungle World und emmaundfritz.de

 

 

Vortrag: „Antisemit, das geht nicht unter Menschen!“ – Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel

Referent: Jürgen Mümken
 Datum & Ort: 15. November, 19 Uhr, Strandcafé (Adlerstraße 12 / Grether Gelände)

Eine freiheitliche, sozial gerechte Gesellschaft kann nur dann erreicht werden, wenn zuvor auch eine der ältesten Gruppenfeindschaften der Menschheitsgeschichte, der Antisemitismus, der im letzten Jahrhundert durch den deutschen Nationalsozialismus zum schlimmsten Menschenverbrechen der Geschichte geführt hat, in den Köpfen und Herzen aller Menschen dauerhaft beseitigt wird.
In dem Vortrag wird ein Ritt durch die Geschichte anarchistischer Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel gemacht: von anarchistischen Antisemiten und den Kampf gegen Antisemitismus, von der Dreyfus-Affäre, über die antijüdischen Pogrome in Russland zur Shoah, von einem anarchistischen Zionismus über die Kibbuz-Bewegung zum Staat Israel, von Bubers Bi-Nationalismus über eine anarchistische Pro-Israel-Haltung zu Anarchist against the war. Es gab und gibt nicht die anarchistische Position zu Zionismus und Israel. Jürgen Mümken stellt in seinem Vortrag die verschiedenen Positionen in ihrem jeweiligen Zeitkontext dar.

Jürgen Mümken ist Herausgeber von “Antisemit, das geht nicht unter Menschen!” Anarchistische Positionen zu Antisemitismus, Zionismus und Israel Band 1 & 2, Edition AV 2013/2014

 

Vortrag: Kommunistische Arbeiterbewegung und Antisemitismus

Referent: Olaf Kistenmacher 
Datum & Ort: 19. November, 20 Uhr, Universität Freiburg Raum 1221

Es ist unübersehbar, dass die sozialistische und kommunistische Linke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts den Antisemitismus unterschätzt und falsch gedeutet hat. Judenfeindschaft galt als ein Ablenkungsmanöver der herrschenden Klasse, um die Arbeiterschaft zu spalten, und als eine unbewusste Form des Antikapitalismus. August Bebel wird die Aussage zugeschrieben, beim Antisemitismus handle es sich um einen „Sozialismus der dummen Kerls“. So lehnte die SPD wie auch die später die KPD einerseits Judenhass ab und bekämpfte offen antisemitische Parteien. Andererseits versuchte insbesondere die KPD in den 1920er Jahren wiederholt, an das vermeintliche antikapitalistische Potenzial des Judenhasses anzuknüpfen. „Wer gegen das Judenkapital aufruft, meine Herren, ist schon Klassenkämpfer, auch wenn er es nicht weiß“, mit dieser Argumentation wollte Ruth Fischer, 1924 Vorsitzende der KPD, im Krisenjahr 1923 völkische Studierende für die KPD gewinnen.
Der Vortrag beschäftigt sich mit der Entstehung dieses spezifischen Antisemitismus von links und endet mit der Frage, inwieweit eine subtile Form der Judenfeindschaft auch bei den stalinistischen „Säuberungen“ 1936-38 eine Rolle spielte.

Olaf Kistenmacher, Historiker aus Hamburg, promovierte über antisemitische Aussagen in der Tageszeitung der KPD, „Die Rote Fahne“, zur Zeit der Weimarer Republik. Aktuelle Veröffentlichung: Zum Teufel mit Stalin. Die Moskauer Prozesse von 1936 bis 1938, in: Jungle World 22, 28. Mai 2014.

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Pro und kontra Antisemitismus?: Zum Komplex Antisemitismus in den Medien

Im Rahmen der bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu Antonio Stiftung wird Leo Fischer über das Thema: Pro und kontra Antismitismus?: Zum Komplex Antisemitismus in den Medien am 7. November in Pforzheim referieren.

Leo Fischer kam 1981 auf die Welt und hat es seither jeden Tag bereut. Um sich abzulenken, studierte er in Berlin und Lausanne Literatur und Philosophie. Seit 2006 ist er ständiger Mitarbeiter des Satiremagazins TITANIC, dem er von 2008 bis 2013 als Chefredakteur zu Diensten war.

Die Wochenzeitung Der Freitag lobte Fischers Arbeiten als “Dreck”, als “Gegenteil von allem, was schön und gut und wahr ist”. Papst Benedikt XVI. verklagte ihn wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte; der CSU-Abgeordnete Thomas Goppel wollte ihm die “Lizenz zum Schreiben” entziehen. Politisch engagiert sich Fischer im Bundesvorstand der Partei “Die PARTEI” als Mitglied ohne Geschäftsbereich; 2013 trat als Bundestagskandidat im Wahlkreis Frankfurt am Main II an. Von 2009 bis 2013 war er Gastgeber der monatlichen “TITANIC Peak Preview” im Frankfurter “Club Voltaire” und erschüttert seither in wechselnden Formationen die Lesebühnen des Landes.

Fischer ist Kolumnist der Jungle World, des Neuen Deutschland und von watson.ch; er schreibt regelmäßig für die Satireseite der Taz. Sein erstes Buch, “Generation Gefällt mir” (Lappan 2012) ist eine schonungslose Abrechnung mit seiner Generation, sich selbst und überhaupt allem. Als Mitherausgeber der “TITANIC-Bibel” (Rowohlt Berlin 2013) betätigte er sich als Religionsstifter, als Koautor der “Fröhlichen Hundegeschichten” (mit Leo Riegel, Eichborn 2014) als Welpenflüsterer.

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Die Marxsche Fetischkritik & die Kritik des Antisemitismus

Dr. Stephan Grigat, Wien
Do 11.12. 20 Uhr
Ort: HS 1015 (kurzfristige Änderungen beachten)
Kollegiengebäude I, Uni Freiburg

In dem Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern die Marxsche Wert- und Fetischkritik die Grundlage für eine Kritik des modernen Antisemitismus sein kann, ja muss. Inwiefern kann ausgehend von der Wertformanalyse im Marxschen Kapital gezeigt werden, dass Antisemiten in einer wahnhaften Projektion im „jüdischen Prinzip“ und seinen Verkörperungen gesellschaftliche und individuelle Widersprüche, Ambivalenzen und Krisenerscheinungen bekämpfen. Vor dem Hintergrund der Marxschen Ausführungen zur Selbstmystifizierung der Gesellschaft soll gezeigt werden, inwiefern der Antisemitismus die Biologisierung und Personalisierung des real Abstrakten kapitalakkumulierender Ökonomie betreibt.

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter an den Universitäten Wien und Graz, Autor von Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus (ça ira 2007) sowie von Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung (Konkret 2014).

 

Die Veranstaltung findet im Rahmen der der Reihe “Schein der Wirklichkeit – Wirklichkeit des Scheins. – Ideologiekritik in der Postmoderne” des AK Ideologiekritik an der Universität Freiburg statt.

Vortrag: Stefan Gärtner: “Deutschland total. Thesen zum demokratischen Faschismus”

Stefan Gärtner “Deutschland total. Thesen zum demokratischen Faschismus”

Am 27.03.2014 referierte Stefan Gärtner auf Einladung des Bundesarbeitskreises Shalom und der Basisgruppe Frankfurt der Linksjugend [‘solid] und mit Unterstützung von DIKA e.V. vor etwa 80 Zuhörenden im Café KoZ in Frankfurt am Main zum Thema „Deutschland total. Thesen zum demokratischen Faschismus“. Nach einer kurzen Einführung in die vom Herausgeber der Zeitschrift konkret Hermann L. Gremliza aufgestellten Thesen zum demokratischen Faschismus, liest Stefan Gärtner aus seinen Werken. Seine Kolumne Gärtners Kritisches Sonntagsfrühstück, die jeden Sonntag online auf der Seite des Satiremagazins Titanic erscheint, widmet sich der deutschen Medienlandschaft und ihrer täglichen Verwerfungen. Pointiert und kritisch geht Gärtner in einer knappen Stunden auf die aktuell herrschenden Zustände in der Bundesrepublik ein und berichtet von der medialen Debatte zu unterschiedlichen Themen wie Leistungsgesellschaft, Asyldebatte, Rechtsextremismus und den Film „Unsere Mütter, unsere Väter“.

Audiodatei: Deutschland total. Thesen zum demokratischen Faschismus